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Kontrollierte Qualität

Wie Vivamos Mejor die Wirkung ihrer Projekte überprüft

Wirkung

Vivamos Mejor arbeitet seit vielen Jahren konsequent mit einem Monitoring- und Evaluationssystem mit klaren, messbaren Zielen. Zusätzlich überprüfen wir seit 2012 laufend die Wirkung unserer Programme mit unabhängigen Studien von Schweizer und lokalen Universitäten. Dafür wurden wir als einziges Schweizer Hilfswerk bereits zum zweiten Mal mit dem Impact Award von DEZA/NADEL ausgezeichnet.

Dank der Wirkungsmessung wissen wir, dass Kinder, die unsere Vorschulförderung besucht haben, noch vier Jahre später signifikant bessere Schulnoten erzielen und weniger oft die Klasse wiederholen. Und wir können auch belegen, dass begleitende psychosoziale Aufbauarbeit bei Berufsbildungsprojekten zu deutlich höheren Berufsabschlussquoten führt.

Die Erkenntnisse der Wirkungsstudien dienen uns dazu, zu lernen, die Programme zu optimieren und so mehr für die Menschen in Lateinamerika zu bewirken. Folgende Studien sind auf dieser Seite zu finden:


Einblick in eine abgeschlossene Wirkungsstudie zur Vorschulförderung

Deborah Kistler, Doktorandin der Universität Lausanne, hat 2017 die Wirkung der Vorschulförderung in Kolumbien mit einer wissenschaftliche Wirkungsstudie untersucht. Sie erklärt einfach und verständlich Ziele, Funktionsweise und Resultate ihrer Wirkungsstudie.



Um den Entwicklungsfortschritt der Schützlinge im Rahmen unserer Wirkungsstudie zu überprüfen, haben wir uns folgende Fragen gestellt:

  • Hat sich die Qualitätsverbesserung der Vorschulen kurzfristig auf die kognitive, psychomotorische und psychosoziale Entwicklung der Kinder ausgewirkt?
  • Hat die Qualitätsverbesserung der Vorschulen mittelfristig die schulische Leistung und den Lernerfolg der Kinder beeinflusst?

Kinder aus benachteiligten Familien haben oft schwierige Entwicklungsvoraussetzungen. Insbesondere, wenn sie in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen aufwachsen. Häufig werden ihre kognitiven, emotionalen und sozialen Kompetenzen zu wenig gefördert. Ihre Familien haben begrenzte finanzielle Möglichkeiten und wenden oft Gewalt in der Erziehung an. Eine qualitativ angemessene Vorschulerziehung wirkt dem entgegen und erhöht die Chancengleichheit in der Schule. 

Für Kleinkinder von armutsbetroffenen Familien bestehen in Kolumbien ausserfamiliäre Betreuungsangebote, sogenannte hogares comunitarios. Dabei handelt es sich um Vorschulen, in welchen Frauen aus dem Quartier bei sich zuhause tagsüber bis zu zwölf Kinder im Vorschulalter betreuen. Allerdings sind die Betreuungsangebote sehr mangelhaft. Die Betreuerinnen haben selbst eine lückenhafte Schulbildung und ihre Arbeit kommt eher einer Beaufsichtigung gleich als einer aktiven Förderung. Zum Zeitpunkt des Schuleintritts sind die Kinder folglich nicht auf die Anforderungen der Schule vorbereitet. Repetitionen und Schulabbrüche prägen ihre Schullaufbahnen.

Mit unserer Projektarbeit wollen wir dem entgegenwirken und eine Qualitätsverbesserung der Vorschulen erreichen. Dazu haben wir folgende Aktivitäten durchgeführt:

  • Eine fachspezifische Berufsbildung für Tagesmütter mit offiziellem Abschluss.
  • On-the-job Training, damit die Tagesmütter lernen, wie sie das pädagogische Modell im Alltag umsetzen können.
  • Monatliche Elternbildungs-Workshops zu Themen wie Betreuung, Erziehung und kindliche Entwicklung.
  • Monitoring der eingeschulten Kinder, um sicherzustellen, dass sie die Schule regelmässig besuchen.





Die Wirkung von 13 Jahren Projektarbeit in Brasilien

Von 2008 bis 2020 hat Vivamos Mejor 13 Projekte in Brasilien umgesetzt, welche die Wasserverfügbarkeit und die landwirtschaftliche Produktion von Kleinbauernfamilien verbesserten. Zudem unterstützten wir den Zugang der Kleinbauern und -bäuerinnen zu neuen Verkaufskanälen und stärkten ihre Selbstorganisation in Marktverbänden. Um die Wirkung des Programmes in Brasilien als Ganzes zu beurteilen, werteten wir 2020 die Monitoringdaten über den gesamten Zeitraum aus.

Die erzielte Wirkung ermöglicht 7736 Kleinbauern aus 90 Gemeinschaften ein selbstbestimmteres Leben und bietet ihnen eine Alternative zur Migration in die Grossstädte. Die Auswertung bestätigt damit die erfreulichen Ergebnisse der unabhängigen Projekt-Wirkungsstudie der HSG St. Gallen aus dem Jahr 2014, welche einen positiven Einfluss auf den Lebensstandard der Kleinbauernfamilien und eine gute Kostenwirksamkeit attestiert hatte.

Den ausführlichen Bericht können Sie bald an dieser Stelle nachlesen.


Laufende Wirkungsstudie Berufsbildung in Kolumbien

Eine Doktorandin der Universität Lausanne untersucht in Zusammenarbeit mit der kolumbianischen Universidad de los Andes anhand einer RCT-Studie*  die mittelfristige Wirkung unseres Berufsbildungsansatzes auf Einkommen, Bildungsstand und persönliche Entwicklung der Jugendlichen.

Die Auswahl der Studienteilnehmer*innen, die Erhebung der Ausgangslage und die Ausbildungen der verschiedenen Studiengruppen sind bereits erfolgreich abgeschlossen. Dank  der Wirkungsstudie ermöglichen wir zusätzlich 100 sozial benachteiligten, jungen Erwachsenen eine einjährige Berufsausbildung. Die Erhebung der mittelfristigen Effekte erwarten wir im Laufe von 2021, die Publikation der Ergebnisse im 2022.

*Bei einer randomisierte kontrollierte Studie (RCT, englisch: randomized controlled trial) werden die Ergebnisse in der Studiengruppe mit einer Kontrollgruppe verglichen. Das Entscheidende dabei ist, dass die Zuteilung der Teilnehmenden auf die verschiedenen Gruppen randomisiert, also zufällig geschieht. Dadurch sollen Unterschiede, die durch unbewusste verzerrende Zuordnung entstehen können, ausgeschlossen werden.




Ganzheitlicher Ansatz führt zu nachhaltigen Resultaten in Guatemala

Eine PhD-Doktorandin der Universität Kansas führte eine unabhängige Evaluation aller Aspekte des Projekts «Ausgewogene Ernährung für Maya-Kinder» (2017-2019) durch. Dabei hat sich unser ganzheitlicher Ansatz bestätig: Die drei Projekt-Komponenten Ernährungsberatung, Verbesserung der Anbaupraktiken und Förderung von Hygienemassnahmen (unten genauer beschrieben) wirkten sich positiv auf die Ernährungs- und Gesundheitssituation von 125 Maya-Familien in den drei Dorfgemeinden Pajomel, Chuitzanchaj und Laguna Seca aus.

In spielerischen Workshops lernten die Familien, wozu Proteine, Kohlenhydrate, Spurenelemente dienen und in welchen Lebensmitteln sie enthalten sind. In Kochkursen zeigten erfahrene indigene Sozialarbeiterinnen den Müttern, wie sie die neuen Ernteprodukte in ihre Gerichte integrieren können. Sie vermittelten Wissen zur altersgerechten Ernährung der Kinder und förderten das Stillen gemäss WHO-Empfehlung.

Mais ist das wichtigste Grundnahrungsmittel. Übernutzte Böden, extreme Wetterereignisse sowie veraltete Anbau- und Lagerungsmethoden provozieren aber Ernteverluste. Mit praktischer Ausbildung und etwas Material halfen eine Agronomin und ein Techniker den Familien, ihre Maisfelder nachhaltiger zu bewirtschaften und deren Erträge zu steigern. Dabei förderten wir speziell lokale und nährstoffreiche Produkte. Die landwirtschaftlichen Fachkräfte halfen den Familien auch, ihre Geflügelhaltung zu verbessern, damit sie regelmässiger Proteine essen können.

In kulturell angepassten Kursen trainierten indigene Sozialarbeiterinnen mit den Familien Händewaschen, Körperhygiene und Zähneputzen. Sie unterstützten die Mütter dabei, die Haushaltshygiene schrittweise zu verbessern und Trinkwasser sowie Lebensmittel sauber zu halten. Fehlendes Vertrauen haltet die Familien von Besuchen im lokalen Gesundheitszentrum ab. In Workshops zeigte ihnen deshalb ein Arzt auf, wie wichtig Impfungen, Zusatznährstoffe und Wachstumskontrollen sind.

Die Verbesserung der Ernährungssituation widerspiegelt sich zwar noch nicht direkt in einer gesenkten Rate von chronischer Unterernährung bei Kindern zwischen 0 und 5 Jahren. Doch bei den Babies unter 6 Monaten sank die Rate. Jedoch ist die «Fallzahl» noch zu klein, weshalb wir die Entwicklung weiter beobachten werden. Sie zeigt aber, dass die Mütter ihre erlernten Kenntnisse über Ernährung anwenden und die Voraussetzungen geschaffen sind, dass die Raten mittelfristig in der gesamten Altersgruppe sinken dürften.




Externe Evaluation zur Relevanz unseres Projekts Leseförderung in Nicaragua

Seit 2018 befindet sich Nicaragua in einer soziopolitischen Krise. Viele Kinder haben Gewalt hautnah miterlebt oder leben in angespannten häuslichen Verhältnissen. Aus diesem Grund lancierten wir 2019 ein Zweijahresprojekt, das 6'700 von der Krise besonders betroffenen Kindern mit Büchern und Geschichtenräumen ein Stück Normalität und Struktur zurück bringt.

Ein unabhängiger lokaler Bildungsexperte untersuchte mit einer qualitativen, externen Zwischenevaluation, ob unser Projekt ein kontextrelevantes sowie sinnvolles Angebot für die Kinder bietet und ob dessen Umsetzung effizient, relevant und effektiv ist.




Masterstudie zur Berufsbildung in Kolumbien

Für ihre Masterarbeit an der HSG St. Gallen führte die Studentin Tonja Iten eine wirtschaftliche Analyse durch. Dabei untersuchte sie sowohl den Nutzen des Projekts «Arbeit für intern vertriebene Frauen» in Bogotá für die Projektteilnehmerinnen und Arbeitgeber als auch Kosten und Effizienz des Projekts. Relevante Einfluss­faktoren flossen in die Bewertung ein. Be­fragt und verglichen wurden 25 der 140 begünstigen Frauen sowie 25 Frauen aus einer Kontrollgruppe.

Das Ergebnis: Im Ver­gleich mit dem Einkommen vor der Interven­tion ist der Verdienst der Frauen gegenüber jenem der Kontrollgruppe beträchtlich stärker gewachsen.

Der ­Vergleich ergibt ein Plus von 93 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, angestellt zu werden, erhöhte sich um 48 Prozent. Im Schnitt wesentlich zufriedener zeigen sich die Frauen mit Tätigkeitsinhalt, Lohn und Sozialleistungen, derweil die Kon­trollgruppe hier eher eine leichte Verschlech­terung sah. Bezüglich Kosten­ Nutzen schneidet das Projekt überdurch­schnittlich gut ab, dies vor allem auch im Vergleich mit Studien anderer Arbeitsmarkt­programme in Lateinamerika. Die Studie bestätigt Vivamos Mejor, damit auf dem richtigen Weg zu sein und diese Interventionsform in ähnlichen Projekten zu wiederholen.

Arbeit für intern vertriebene Frauen

Kontext

In Bosa in Bogotá suchen viele Menschen Zuflucht, die im kolumbianischen Bürger­krieg vom Land vertrieben wurden. In dem Armenviertel den Lebensunterhalt zu be­streiten, erweist sich aber als schwierig. Hier setzte das mit unserer lokalen Partnerin Apo­yar umgesetzte Projekt «Arbeit für intern vertriebene Frauen» (2012–2014) an. Den Begünstigten wurde eine Ausbildung ermög­licht und ihre Kinder erhielten externe Be­treuung. Zudem wurden sie in den formellen Arbeitsmarkt vermittelt, einige Frauen grün­deten ein soziales Personalvermittlungsbüro. Durch die Interventionen verbesserte sich die Situation der Teilnehmenden tatsächlich. Den Nachweis erbringt eine Masterstudie der Universität St. Gallen. Sie attestiert dem Projekt grosse Relevanz und Effektivität und taxiert den Einsatz des Spen­derfrankens als sehr effizient.





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